Industry
Kunde
Waretracks GmbH
Rolle
Waretracks
Im deutschen Mittelstand laufen unzählige Lager noch immer mit Zettel, Stift und in die Jahre gekommenen Excel-Tabellen. Die Systeme, die das ablösen könnten, sind für kleine und mittlere Unternehmen oft zu komplex, zu teuer oder zu starr. Waretracks wurde gebaut, um genau diese Lücke zu schließen: ein Lagerverwaltungssystem mit dem Versprechen von Klarheit, gemacht für Unternehmen, die ihren ersten echten Schritt in die digitale Lagerlogistik gehen. Als erster und einziger Designer im Unternehmen war es meine Aufgabe, dieses Versprechen an jedem Touchpoint sichtbar zu machen, von der Marke selbst bis zur Produktoberfläche.
Diese Seite versammelt vier Case Studies: das Rebranding von Waretracks, den Ausbau der Website, die Konzeption eines modularen Dashboard-Systems und die Anwendung der Marke über Marketing- und Geschäftsmaterialien hinweg.
Kurz gefasst
Was ist Waretracks?
Waretracks ist ein modulares WMS, entstanden innerhalb der G. Wurm Gruppe, einem Handelsunternehmen mit über 66 Jahren Logistikerfahrung, und heute als Waretracks GmbH geführt. Als sich am Markt keine Lösung fand, die den eigenen Ansprüchen an Anpassbarkeit, Transparenz und Wirtschaftlichkeit genügte, entwickelte das Unternehmen sein eigenes System, mitten im laufenden Lagerbetrieb. Das Ergebnis ist ein System von Unternehmern für Unternehmer, gerichtet an kleine und mittlere Betriebe, deren Lager noch mit Zettel und Excel arbeiten. Es deckt Kernprozesse wie Wareneingang, Warenausgang, Kommissionierung, Verpackung, Versand und Bestandsführung ab und reicht bis in Auswertung, Automatisierung und Spezialmodule wie Chargenverwaltung und Gamification. Mit Plug-and-play-Einführung und offenen Schnittstellen setzt Waretracks auf praktischen Nutzen, schnelles Onboarding und Skalierung vom einzelnen Standort bis zum Netzwerk.
Was war meine Rolle?
Ich bin im August 2025 als UI/UX & Brand Designer in Vollzeit zu Waretracks gekommen, als erster Designer im Unternehmen. Design lag damit vollständig in meiner Hand: Markenidentität, Produktoberfläche, Website und Marketingmaterialien. Meine erste große Aufgabe war das Rebranding. Die intern entwickelte Retro-Gaming-Ästhetik wich einer minimalistischen Identität rund um den Pixel. Danach habe ich die Website von einer extern gebauten Landingpage zu einem vollständigen, markenkonformen Auftritt ausgebaut und ein modulares Dashboard-System für das WMS konzipiert. Gemeinsam mit dem Product Owner und dem Entwicklungsteam habe ich außerdem das Design System und die Brand Guidelines aufgesetzt, mit denen sich die Marke konsistent anwenden lässt.
E R S T E C A S E S T U D Y
Rebranding Waretracks
Zusammenfassung
Waretracks startete mit einer Marke, die intern entwickelt wurde, bevor ein Designer im Unternehmen war. Sie basierte auf einem Retro-Gaming-Konzept, war eigenständig, arbeitete aber gegen das Produkt: zu verspielt für ein B2B-Publikum, mit einem Logo, das in kleinen Größen auseinanderfiel. Ich habe das Rebranding vom Konzept bis zu den Guidelines geführt und die Gaming-Idee dabei nicht verworfen, sondern übersetzt. Das Ergebnis ist eine minimalistische Identität rund um ein einziges Element: den Pixel, als Zeichen für Struktur, Kontrolle und die Modularität des Systems.
Herausforderung
Die ursprüngliche Marke ging voll in Richtung Retro-Game. Headlines sprachen von Power-ups und Game Over, die Bildwelt war direkt aus Arcade-Spielen entlehnt, Typografie und Icons unterschieden sich von Touchpoint zu Touchpoint. Die Idee hatte eine reale Grundlage, denn Gamification ist tatsächlich ein Modul des Produkts, aber die Umsetzung wirkte kindlich. Für ein System, dem Unternehmen ihren Tagesbetrieb anvertrauen, war das ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wer ein WMS evaluiert, muss Verlässlichkeit sehen, keine Nostalgie.
Ziel
Eine Marke entwickeln, die das Verspielte von Waretracks behält, ohne die Ernsthaftigkeit zu untergraben. Die neue Identität musste Klarheit, Präzision und Kontrolle vermitteln, vom Lager-Tablet bis zum Messebanner einwandfrei funktionieren und einfach genug sein, dass auch Nicht-Designer sie konsistent anwenden können.
Das Audit
Als Teil meiner Bewerbung sollte ich ausgewählte Folien aus dem Pitch Deck in einer neuen visuellen Richtung gestalten. Statt direkt ins Design zu gehen, habe ich mit einem Identity-Audit der beiden wichtigsten Touchpoints begonnen: Pitch Deck und Website. Das Ergebnis zeigte eine Marke, die in verschiedene Richtungen zog.
Typografie: Das Deck kombinierte zwei Display-Schriften, Arcade Gamer und NT Brick Sans, die nicht zusammenpassten und beide im 90er-Jahre-Gaming-Stil lagen. Die Website nutzte NT Brick Sans für Headlines, fiel im Fließtext aber auf System-UI zurück, die je nach Gerät anders aussieht und keinerlei Konsistenz bietet. Deck und Website sprachen zwei verschiedene typografische Sprachen.
Farbe: Die Kernpalette (Eerie Black, CMYK Red, Oxford Blue) war solide, aber unvollständig. Oxford Blue tauchte im Deck auf, fehlte auf der Website, und der Palette fehlte eine Highlight-Farbe für Dynamik und Flexibilität.
Iconografie: Im Deck mischten sich sechs Icon-Stile, von Microsoft-Fluent-Emojis bis Pixel Art. Ich habe vorgeschlagen, sie in zwei standardisierten Formaten zusammenzuführen: 24 px für kleine Anwendungen und 64 px für große.
Das Audit hat außerdem festgehalten, was erhaltenswert war: die serifenlose Fließtextschrift, die bestehende Kernpalette und das Logotype. Zusammen mit einem Moodboard aus gut bewerteten B2B-Pitch-Decks ergab das ein klares Briefing: den Auftritt auf ein gepflegtes, zeitgemäßes Niveau heben und subtile Retro-Gaming-Anklänge behalten.
Erster Proof of Concept
Die überarbeiteten Probefolien wurden zum Keim der späteren Marke. Eine Dot-Matrix-Display-Schrift ersetzte die Arcade-Fonts und erinnerte an LED-Anzeigen im Lager statt an Videospiele. Isometrische 3D-Blöcke, die zur Bildmarke zusammenfallen, übersetzten die Tetris-Idee in etwas Räumliches, fast Architektonisches. Ein feines Pixelraster gab dunklen Flächen Textur und Tiefe. Fast jede dieser Entscheidungen hat es in die finale Identität geschafft: Aus der Dot-Matrix-Schrift wurde Doto, aus dem Vorschlag für Highlight-Farben die erweiterte Palette, aus dem zweistufigen Icon-System die offiziellen Formate mit 24 px und 64 px, und aus dem 3D-Blockstil die visuelle Welt der Marke.
Der Wendepunkt
Die prägende Entscheidung des Rebrandings steckte schon in der Probeaufgabe: die wörtliche Retro-Gaming-Ästhetik fallen lassen, ohne ihre DNA aufzugeben. Statt Gaming-Referenzen unverändert zu übernehmen, haben wir sie abstrahiert. Tetris handelt im Kern von Ordnung: Blöcke an ihren Platz bringen, unter Druck Struktur halten, Chaos auflösen. Genau das leistet ein Lager. Daraus entstand das Pixel-Element, ein einzelner Baustein für Struktur und Kontrolle, ins Digitale übersetzt. Jeder Pixel steht für die modulare, skalierbare Natur des Systems und für Präzision durch Einfachheit.
Von der Probeaufgabe zum vollständigen Rebranding
Ich habe am 11. August 2025 angefangen. Vier Tage später habe ich das vollständige Rebranding-Konzept präsentiert. Die Probeaufgabe hatte Pitch Deck und Website abgedeckt, für das Gesamtbild brauchte es mehr. Ich habe das Audit auf sechs Touchpoints ausgeweitet: Website, Pitch Deck, Produkt-UI, die Figma-Dateien, die Oberfläche der Zebra-Scanner und einen frühen Guidelines-Entwurf in Canva. Jeder erzählte eine etwas andere Geschichte. Die Produkt-UI lief auf Roboto mit einer wild gewachsenen Farbpalette, die Figma-Dateien nutzten Inter, der Canva-Entwurf schlug Lato vor. Sechs Touchpoints, fünf typografische Ansätze, keine gemeinsamen Regeln.
Anschließend habe ich fünf Wettbewerber gebenchmarkt: Manhattan Associates, CartonCloud, Körber, Blue Yonder und WEMALO. Zwei Muster fielen auf. Bei den meisten klaffte eine deutliche Lücke zwischen Marketing-Bildwelt und Produktoberfläche, die eigenen Regeln folgte. Und die Typografie im Feld war eng, oft eine einzige Schriftfamilie für alles, was Hierarchie und Charakter begrenzt. Beides wurde zur direkten Chance: Website und Produkt unter einem visuellen System zusammenführen und eine Schriftkombination mit klar verteilten Rollen aufbauen.
Positionierung vor Pixeln
Bevor irgendetwas final gestaltet wurde, habe ich gemeinsam mit dem Team das Fundament der Marke definiert. Die Essenz ließ sich in einer Zeile zusammenfassen: Die Kraft des Machens. Fünf Kernbegriffe (Nutzerfreundlichkeit, Praxisnähe, Innovation, Verlässlichkeit, Anpassungsfähigkeit) wurden jeweils in konkrete gestalterische Konsequenzen übersetzt. Nutzerfreundlichkeit hieß humanistische Schrift und WCAG AA als Mindestkontrast. Praxisnähe hieß Raster zuerst, echte Lagerfotografie, keine abstrakte Grafik. Anpassungsfähigkeit hieß Light und Dark Mode, fluide Größen und modulare, flexible Markenelemente. Diese Zuordnung machte jede spätere Designentscheidung begründbar: Nichts war reine Geschmackssache.
Designprozess
Typografie
Lato blieb die Hausschrift, wie es die Team-Leads in ihrem frühen Guidelines-Entwurf vorgeschlagen hatten. Als humanistische Grotesk passte sie zu den Markenwerten, funktionierte gut am Bildschirm und würdigte die Arbeit, die vor meinem Start entstanden war. Offen war die Display-Schrift. Ich habe mehrere Richtungen in vollständigen Mockups getestet, in Light und Dark Mode: Doto, Roboto Serif, Inria Serif, Arvo und Aleo, letztere als Slab-Serif-Pendant zu Lato und damit naheliegende Ergänzung. Doto hat gewonnen. Aus einem Punktraster gebaut, greift sie das Pixel-Element auf und erinnert an Lagertechnik, an Etikettendrucker, Scanner und LED-Anzeigen, nicht an Videospiele. Sie trägt den technischen Charakter der Marke ohne 90er-Kostüm.
Farben
Die Kernpalette hat das Audit überstanden: Eerie Black, CMYK Red und ein tiefes Blau, verfeinert zu Penn Blue. Dem Audit folgend wurde die Palette um lebendige Akzentfarben erweitert und gegen die WCAG-Vorgaben geprüft, mit dokumentierten Kontrastwerten für jede wichtige Kombination auf hellem und auf dunklem Grund. Light und Dark Mode sind bewusst Teil der Identität und kein Nachgedanke. Sie spiegeln, wie sich die Software an unterschiedliche Kontexte anpasst, vom hellen Büro bis zur schwach beleuchteten Lagerhalle.
Die Sekundärpalette blieb nicht, wie sie war. Der erste Vorschlag enthielt laute Akzente wie Cyan, Shocking Pink und RISD Blue. Im Alltag wurden einige Farben immer wieder gewählt, andere kaum. Marken sind lebende Systeme, deshalb haben wir den ursprünglichen Satz nicht verteidigt, sondern die Sekundärfarben anhand der tatsächlichen Nutzung neu definiert: das weichere Mint, Gelb und Lachs, das in den finalen Guidelines steht.
Iconografie
Das Audit zählte sechs Icon-Stile über alle Touchpoints hinweg. Das neue System ersetzt sie durch eine Sprache, die aus dem Logo selbst kommt. Aus der Bildmarke habe ich zwei Grundmodule abgeleitet, ein Quadrat und ein um 30 Grad angeschrägtes Rechteck, und damit Icons aus der Open-Source-Bibliothek Pixelarticons neu gezeichnet. Das Ergebnis behält die Pixel-Art-Wurzeln der Marke und macht jedes Icon unverwechselbar Waretracks. Der Satz folgt zwei Standardgrößen, 24 px für UI und 64 px für Display-Anwendungen, und ist auf Wachstum ausgelegt.

Das Pixel-Element und die Muster
Die Pixelraster-Textur aus den Probefolien wurde zum grafischen Kernsystem der Marke. Der Pixel ist das zentrale Element an jedem Touchpoint und wurde zu zwei komplementären Hintergrundmustern auf einem 5 x 5 px Raster ausgebaut, eines für den Light Mode, eines für den Dark Mode. Die Muster lassen sich in unterschiedlichen Deckkraftstufen einsetzen, auf flächigen Hintergründen oder mit Verläufen kombiniert, und geben Tiefe, ohne die Lesbarkeit zu senken.

3D-isometrische Elemente
Um die Modularität zu verstärken, habe ich ein isometrisches Blockelement entwickelt: Würfel und langgezogene Blöcke, die sich zusammensetzen, stapeln und an ihren Platz fallen, direkt aus der abstrahierten Tetris-Idee abgeleitet. Zuerst in den Probefolien zu sehen, wo sie die Bildmarke bilden, ist daraus ein flexibles System für Hero-Visuals geworden, animiert für zusätzliche Dynamik.
Bildsprache
Das Benchmarking zeigte, dass die meisten Wettbewerber mit echter Lagerfotografie arbeiten, und das Audit hatte auf das Risiko schwacher KI-Bilder hingewiesen, gerade für eine Marke, die Vertrauen und Know-how verkauft. Daraus folgte die Richtung: echte Fotografie vor Ort mit geometrischem Blick. Aufnahmen von Lagern und Gebäuden, mit oder ohne Menschen, immer mit einem strukturgebenden Element, entweder hell ausgeleuchtet oder als scharfe Nachtaufnahme.






Logo-Refresh
Das Logotype gehörte zu den wenigen Elementen, die das Audit als erhaltenswert markiert hatte, und blieb in der ersten Phase unangetastet. Als das System darum herum gereift war, bin ich im September mit einem eigenen Refresh darauf zurückgekommen. Die Wortmarke war in einer modifizierten Stolzl Medium gesetzt, und vier Probleme waren klar geworden: Das stark modifizierte r konkurrierte mit den anderen Sonderformen, statt sie zu stützen. Das angeschnittene Quadrat über dem t passte nicht mehr zur neuen Identität. Die Kurve zwischen t und e war mit dem Rest der Gestaltung nicht stimmig. Und Wortmarke und Bildmarke standen metrisch, aber nicht optisch zentriert. Ich habe sechs Vorschläge entwickelt, von minimalen Korrekturen bis zu kantigeren Rekonstruktionen. Die finale Richtung begradigt das W, baut r, t und k mit 30-Grad-Schnitten nach der Geometrie der Bildmarke neu auf und führt das Pixel-Element wieder ein, was Wortmarke und Zeichen in eine gemeinsame Konstruktionslogik bringt.
Brand-Guidelines-Dokument
Das Rebranding wurde in einem umfassenden Brand-Guidelines-Dokument zusammengeführt, finalisiert im Oktober 2025. Es behandelt Logoanwendung und Fehlanwendungen, Farbe, Typografie, Iconografie, Muster, Cards und UI-Komponenten, Bildwelt und Fotografiestil, durchgehend mit praktischen Regeln und Beispielen. Da Waretracks ohne großes Designteam arbeitet, sind die Guidelines so geschrieben, dass alle im Unternehmen, von Marketing bis Entwicklung, die Marke korrekt anwenden können.

Fazit
Das Rebranding hat Waretracks eine Identität gegeben, die zum Produkt passt: klar, strukturiert, funktional, jedes Element mit einer Aufgabe. Der Pixel hat sich als mehr erwiesen als ein Logo-Kniff. Er wurde zum System und ließ sich natürlich in Muster, Icons, Typografie und UI-Komponenten weiterführen. Vor allem hat die neue Marke die Spannung aufgelöst, mit der das Unternehmen gestartet ist. Waretracks muss sich nicht mehr zwischen Persönlichkeit und Glaubwürdigkeit entscheiden. Das Spielerische ist noch da, nur in einer Form, der eine Lagerleitung vertrauen kann.
Z W E I T E C A S E S T U D Y
Von der Landingpage zur vollständigen Website
Zusammenfassung
Während ich die neue Marke entwickelt habe, entstand parallel die erste Waretracks-Website, gebaut von externen Freelancern: eine einzelne Landingpage, um schnell online zu sein. Sie hat ihren Zweck erfüllt, war aber ein Low-Fi-Platzhalter, nicht auf Marke und nicht auf Wachstum ausgelegt. Sobald das Rebranding stand, habe ich die Website vollständig übernommen: Benchmarking der Wettbewerbsarchitekturen, Vorschlag und Schärfung einer neuen Informationsstruktur, Umsetzung der neuen Identität und eine Roadmap Monat für Monat, die die Website als Produkt behandelt, nicht als Broschüre.
Herausforderung
Die extern gebaute Landingpage entstand, bevor die neue Marke existierte, und hat den Retro-Gaming-Look geerbt: Arcade-Schriften, Emoji-Icons, „Game On"-Texte. Neben der Optik hatte sie strukturelle Grenzen. Eine einzige Seite musste alle Zielgruppen gleichzeitig bedienen, von der Geschäftsführung, die ein WMS evaluiert, bis zur Lagerleitung, die Funktionen vergleicht. Kein Raum für Tiefe, keine eigenen Funktionsseiten, kein Tracking, keine Grundlage für SEO. Mit dem Produkt musste auch die Website reifen.
Ziel
Aus der Landingpage eine vollständige Website machen: eine skalierbare Informationsarchitektur definieren, die neue Identität konsistent anwenden, den modularen Funktionsumfang in der Tiefe zeigen und die Infrastruktur für Messung, Leadgenerierung und organisches Wachstum aufbauen, auf Deutsch und auf Englisch.
Architektur: vom lokalen Markt lernen
Bevor ich eine Struktur vorgeschlagen habe, habe ich die komplette Seitenarchitektur zweier deutscher Wettbewerber im gleichen KMU-Segment kartiert: WEMALO und Pulpo WMS. Seite für Seite habe ich Navigationshierarchien, Inhaltstypen und Conversion-Pfade dokumentiert, von Funktions- und Integrationsseiten bis zu Ressourcenbereichen, Preisen und Demo-Strecken. Der Vergleich zeigte, welche Muster in diesem Markt funktionieren: Lösungsseiten getrennt nach Rolle und Unternehmenstyp, Integrationsseiten als SEO-Fläche, Case Studies nach dem Muster Herausforderung, Lösung, Wirkung, und die Demo als zentrales Conversion-Ziel.
Darauf aufbauend habe ich drei Architekturvorschläge mit zunehmender Fokussierung entwickelt. Der erste war der umfangreichste, mit eigenen Branchen-Landingpages und einem vollständigen Ressourcenbereich. Der zweite konzentrierte sich auf das Wesentliche: Funktionen, Lösungen, Ressourcen, Preise, ein Demo Center und Kontakt. Der dritte hat das weiter geschärft und eine Über-uns-Seite rund um die Entstehungsgeschichte sowie einen Karrierebereich ergänzt. Die finale Struktur wurde gemeinsam mit dem Team entschieden, im Abgleich zwischen Anspruch und dem, was ein Unternehmen mit einem einzigen Designer realistisch pflegen kann.

Eine Roadmap, kein Redesign
Die Website-Arbeit war als achtmonatige Roadmap von November 2025 bis Juni 2026 geplant, in parallelen Tracks. Zuerst das Fundament: ein vollständiges Audit und die Neustrukturierung aller Texte, eine neue Navigationshierarchie, Zielgruppendefinition, Tracking mit GA4 und Tag Manager auf Event-Ebene, CRM-Anbindung, ein Looker-Studio-Dashboard und die SEO-Grundlagen von Metadaten bis Ladezeit.
Darauf hat die Roadmap Wachstumsarbeit in Stufen gelegt: ein CMS-basierter Blog mit festem Publikationsrhythmus, zielgruppenspezifische Landingpages für Kampagnen, ein Lead Magnet rund um ein Whitepaper, Case Studies mit Kennzahlen und eine geführte interaktive Produktdemo, aus der später eine vollständig klickbare Dashboard-Simulation wurde. Neue Kernseiten kamen unterwegs dazu: Funktionen, Über uns, Preise, ein Demo Center und Branchen, gefolgt vom Redesign der Startseite. Wiederkehrende GA4-Reviews, UX-Audits und Conversion-Sprints haben das System ehrlich gehalten, mit Entscheidungen auf Basis echter Nutzungsdaten statt auf Basis von Geschmack.
Website Roadmap
Blog publishing + GA4 review run as a constant cadence across all eight months — the site keeps learning while the roadmap builds.
Aufbau auf Webflow
Die erste Landingpage hatten externe Freelancer in Webflow als schnelle Low-Fi-Version gebaut. Statt neu anzufangen, habe ich die Plattform behalten und darauf aufgebaut: Aus der einen Seite wurde die neue Startseite, von dort aus habe ich die vollständige Architektur erweitert und jede Seite selbst in Webflow gestaltet und gebaut. So blieb die Website vollständig in meiner Hand, leicht zu iterieren und von Grund auf konsistent.
Die Marke anwenden
Die Website war die erste großflächige Anwendung der neuen Identität und in vieler Hinsicht ihr Praxistest. Doto-Headlines, Pixelraster-Verläufe, das Icon-System und die isometrische Bildwelt mussten in einem echten, scrollenden, responsiven Kontext funktionieren, nicht auf Präsentationsfolien.
Light und Dark Mode wurden von Anfang an mitgedacht, entsprechend der Zwei-Modi-Logik der Marke. Der Dark Mode ging zuerst live und gab der Website einen eigenständigen dunklen Auftritt in einem Markt aus überwiegend hellen, korporativen WMS-Seiten. Der Light Mode war als Folgeschritt vorbereitet.
Jede Seite hat ein eigenes Hero-Bild im 3D-isometrischen Stil aus dem Rebranding bekommen: Blöcke, die sich zusammensetzen und an ihren Platz fallen, die abstrahierte Tetris-Idee ins Web übertragen. Diese Heros habe ich in Jitter animiert, mit Bewegung, die das Konzept stützt: ein System, in dem alles seine Position findet.
Auch die Icons wurden lebendig. Ich habe den Icon-Satz für die Website erweitert und in Jitter animiert, mit einem klaren Ziel: Die Marke soll fließend und in Bewegung wirken, wie ein Lager, das nie stillsteht. Der gleiche Gedanke führte zu einer Reihe isometrischer Illustrationen für zentrale Abschnitte. Sie haben die Asset-Bibliothek der Marke erweitert, den Leistungsbereichen stärkere visuelle Erklärungen gegeben und sind mit Blick auf spätere Animation entstanden.
Die Website musste außerdem ein Produkt abbilden, das sich noch im Umbau befand. Das modulare Dashboard und die überarbeitete Produkt-UI waren in der Software noch nicht fertig, deshalb habe ich eine Vorschau des vorgesehenen Dashboards gestaltet und direkt unter dem Hero auf der Startseite platziert. Die Website hat nicht nur den aktuellen Stand des Produkts gezeigt, sondern auch, wohin es geht.
Inhalt und Botschaften
Die alte Seite trug mehr als ein Dutzend konkurrierende Claims, ein Punkt, den bereits das Marken-Audit aufgeführt hatte. Die Audit- und Restrukturierungsphase hat das direkt adressiert: Texte wurden geprüft, Wiederholungen entfernt und die Botschaften auf wenige Kernideen zusammengeführt, etwa von Unternehmern für Unternehmer, einsatzbereit in 24 Stunden und Klarheit als Produktversprechen. Die Texte selbst stammen überwiegend von unserem Managing Director für Operations, Marketing & Sales, Simon Willmes, mit kleineren Anpassungen an Messaging und SEO durch die PR-Agentur Hungriger & Hirsch. Meine Aufgabe war es, die Inhalte über beide Sprachen hinweg zu strukturieren, Deutsch zuerst mit vollständiger englischer Fassung, und ihnen auf der Seite eine klare Hierarchie zu geben.
Fazit
Die Website hat den Bogen geschlossen, der mit der Probeaufgabe begann: von einem geerbten Platzhalter zu einem stimmigen digitalen Auftritt, der auf jeder Seite die Sprache der Marke spricht und so instrumentiert ist, dass er von seinen Besuchern lernt. Mehr als ein Redesign wurde daraus Infrastruktur: eine am Markt gebenchmarkte Architektur, ein Messaufbau, der Traffic in Erkenntnisse übersetzt, und ein Publikationssystem, das die Website Seite für Seite wachsen lässt, ohne sie zu brechen.
D R I T T E C A S E S T U D Y
Dashboard-System
Zusammenfassung
Waretracks hatte ein funktionierendes Lagerverwaltungssystem und keine klare Vorstellung davon, was sein Dashboard zeigen sollte. Jede Kennzahl, die das Produkt berichten konnte, existierte bereits irgendwo in der Oberfläche, verteilt über Dutzende Screens, aber nichts war verbunden. Das war der eine Teil des Produkts, bei dem Design nicht mit einem Layout beginnen konnte. Es musste mit den Daten beginnen.
Ich habe das gesamte System kartiert, herausgearbeitet, welche Datenkombinationen den Arbeitstag tatsächlich verändern, und darum herum ein modulares Dashboard gebaut: einen Satz Widgets, den sich jede Person selbst zusammenstellt, mit zwei Lesarten derselben Zahlen.
Herausforderung
Ein Dashboard ist der Screen, der sich am leichtesten vortäuschen und am schwersten richtig machen lässt. Etwas zu produzieren, das aussieht wie eines, ist einfach: KPI-Kacheln, ein Liniendiagramm, ein Tortendiagramm, ein rotes Badge.
Genau das habe ich vorgefunden. Im Figma-File lag ein früher Entwurf ohne jede Interaktion dahinter, ein Platzhalter, der erkundete, wie ein Dashboard aussehen könnte, statt was darauf gehört. Er hat das eigentliche Problem sichtbar gemacht: Niemand konnte sagen, was darauf gehört.
Die andere Hälfte des Problems war die Zielgruppe. Ein Lager ist nicht ein Nutzer. Eine Geschäftsführung muss wissen, ob die Woche hält. Eine Kommissioniererin muss wissen, was als Nächstes zu tun ist. Beide aus einem einzigen festen Layout zu bedienen heißt, eine von beiden unter Informationen zu begraben, die sie nie braucht.
Ziel
Entscheiden, was gezeigt wird, auf Basis der Daten, die tatsächlich existieren, statt auf Basis dessen, was üblicherweise auf Dashboards steht. Ein System, das sehr unterschiedliche Rollen bedient, ohne für eine davon Kompromisse zu machen. Informationsdichte einstellbar halten statt fix. Und das Ganze so bauen, dass es mit dem Produkt wächst, denn das Produkt entstand parallel dazu.

Das Produkt lesen, bevor man es gestaltet
Bevor ich etwas gestaltet habe, habe ich das System dokumentiert, wie es war. Ich bin jeden Screen des WMS durchgegangen und habe festgehalten, welche Daten er enthält: 29 Tabellen zu Aufgaben, Nutzern, Kunden, Artikeln, Beständen, Bestandsbewegungen, Wareneingangscontainern, Kundenaufträgen, Lagerplätzen, Bestandsoptimierung, Sendungen, Packvorgängen, Inventur und Archiv. Jedes Feld, jeder Statuswert, jeder Identifier, der eine Tabelle mit einer anderen verbinden kann.
Diese Inventur hat zwei Dinge deutlich gemacht. Erstens wusste das Produkt weit mehr, als es zeigte. Zweitens definierte es sechs unterschiedliche Nutzerrollen, womit ein einziges Dashboard nie funktionieren würde.

Dreißig Verknüpfungen, priorisiert
Ein Feld allein sagt nichts. Kundenaufträge sind nur Zeilen. Kundenaufträge, verknüpft mit Status und Zeit, zeigen, ob der Rückstand wächst. Der nächste Schritt war also, die Verknüpfungen zu definieren: welche Tabellen über welche Schlüssel zusammengeführt werden, um eine Frage zu beantworten, die im Lager tatsächlich gestellt wird.
Ich habe 30 davon dokumentiert. Jede benennt die beteiligten Entitäten, die Join-Keys, die operative Frage, die sie beantwortet, und die passende Visualisierung. Anschließend habe ich sie danach priorisiert, wie stark die Antwort eine Entscheidung verändert: 12 hoch, 10 mittel, 8 niedrig.
Die hoch priorisierten Verknüpfungen sind der operative Kern. Kundenaufträge nach Status im Zeitverlauf. Wareneingangscontainer und Vereinnahmungsfortschritt. Laufende Arbeit nach Aufgabentyp und Status. Kommissionier- und Packleistung pro Person. Staplerbewegungen nach Lagerbereich. Bestand nach Lagerplatz und Bedarf nach Artikel. Sendungsdichte gegen feste Speditionstermine.
Diese Priorisierung wurde zum Design-Briefing. Sie hat entschieden, welche Widgets zuerst gebaut werden und was die Standardansicht enthält.
Zwei Lesarten derselben Zahlen
In der Konzeptphase drehten wir uns immer wieder um dieselbe Frage: Soll das Dashboard die Daten zeigen oder sie deuten? Rohe Diagramme sind ehrlich, aber langsam zu lesen. Interpretation ist schnell, verbirgt aber ihre eigene Herleitung.
Ich habe vorgeschlagen, beides zu tun, über einen einzigen Umschalter. Der Data Mode zeigt das Diagramm. Der Insights Mode ersetzt es durch eine kurze Lesart desselben Widgets in klarer Sprache, plus einen Handlungsbutton. Gleiches Widget, gleiche Daten, unterschiedliche Interpretationstiefe, gewählt von den Nutzern statt von uns.
Die Beispiele in den Prototypen kommen direkt aus den Verknüpfungen. Kundenaufträge im Data Mode sind ein gestapeltes Flächendiagramm der Auftragsstatus über vier Wochen. Im Insights Mode steht dort: Der Rückstand wächst zwischen 11:00 und 13:00 Uhr, Batch-Kommissionierung in Zone C starten, mit einem Button Batch-Kommissionierung starten. Das Diagramm sagt, was passiert ist. Der Insight sagt, was zu tun ist.


Heute auf einen Blick
Das Dashboard beantwortet Fragen, nach denen man sucht. Nach manchen Dingen sollte man gar nicht erst suchen müssen.
Ich habe eine feste linke Spalte vorgeschlagen, „Heute auf einen Blick", die nur enthält, was gerade relevant ist, angepasst an die Rolle: Hinweise mit Uhrzeit, etwa ein Speditions-Cut-off in 90 Minuten bei 18 noch nicht fertigen Sendungen. Die KPIs, die heute zählen, etwa Vereinnahmungsfortschritt und fällige Aufträge. Und Warnungen mit genau einer Aktion, etwa 14 überfällige Bestellungen mit einem Button Bestellungen öffnen.
Sie ist bewusst der am wenigsten konfigurierbare Teil des Screens. Alles rechts davon gehört den Nutzern. Diese Spalte gehört dem System.

Widgets statt Layouts
Die Referenz war nicht andere Lagersoftware. Es war der Homescreen eines Smartphones. Menschen wissen bereits, wie man ein Widget hinzufügt, seine Größe ändert und es dorthin zieht, wo man es haben will. Mit diesem Modell mussten wir nie ein „Manager-Dashboard" und ein „Operator-Dashboard" als getrennte Screens entwerfen.
Jedes Modul ist ein Widget. Nutzer wählen, welche Verknüpfungen sie sehen wollen, bestimmen die Größe jedes einzelnen und ordnen das Raster an. Entworfen haben wir gegen sechs Rollengruppen: Admin, was Logistikleitung, Operations-Leitung und Geschäftsführung umfasst, dann Lagerleitung, Schichtleitung, Bestandsführung, Wareneingang sowie Kommissionierung und Verpackung. Eine Lagerleitung baut sich eine breite Sicht auf Durchsatz und Speditionstermine. Eine Schichtleitung baut sich eine dichte Sicht auf Aufgabenstatus und Zonenaktivität. Niemand sieht Informationen, auf die er nie reagieren wird, und Informationsdichte wird zur Einstellung pro Person statt zu einer Designentscheidung, die einmal für alle getroffen wird.
Die Prototypen waren bewusst in Graustufen und ohne Styling. Solange nicht entschieden war, was auf dem Dashboard steht, hätte Form die Lücke nur verdeckt. Das Brand Styling war als Schritt nach der Struktur eingeplant.

Vom Konzept zur Umsetzung
Die Arbeit begann im November 2025. Die Konzeptphase lief etwa einen Monat: Dateninventur, Verknüpfungen, Priorisierung, die zwei Modi und die Prototypen.
Es war eine kleine Gruppe. Mit Simon Willmes, Managing Director für Operations, Marketing und Sales, habe ich Umfang und Prioritäten geklärt, mit dem technischen Team, was das System realistisch leisten kann: Milan Milinić als Technical Team Lead, Miloš Stolica als Solution Architect und Svetislav Mijatović als Front-End Lead. Das Konzept musste baubar sein, und dass der Front-End Lead schon in der Konzeptphase mit am Tisch saß, ist der Grund, warum es das war.
Im Dezember 2025 hat Svetislav einen funktionierenden Code-Prototyp gezeigt: ein tatsächlich konfigurierbares Dashboard, in dem Nutzer die Widgets auswählen, die dahinterliegenden Datenverknüpfungen bestimmen und die Größe jedes Widgets festlegen. Das Homescreen-Modell, auf echten Daten. Das war der Beweis, dass das Konzept auch außerhalb von Figma trägt.
Das Dashboard war noch in Entwicklung, als meine Rolle endete, und lief neben Website- und Markenarbeit als ein Strang einer größeren Produkt-Roadmap.
Fazit
Das Dashboard war der Teil des Produkts, in dem Design nicht mit Visuellem führen konnte. Es gab kein Briefing zu interpretieren, nur ein System, das sehr viel wusste und fast nichts davon zeigte. Mit 29 Tabellen zu starten und bei 30 priorisierten Verknüpfungen zu landen, war langsamer als ein Layout zu skizzieren, aber es hieß, dass jedes Widget danach eine Frage beantwortet, die im Lager tatsächlich gestellt wird.
Das Ergebnis war ein Modell, kein Screen. Widgets, die sich Nutzer selbst zusammenstellen, zwei Interpretationsstufen auf denselben Daten und eine feste Spalte für das, wonach niemand suchen sollte. Ein Produkt mit sechs Rollen bekam damit ein einziges Dashboard, ohne sechs Kompromisse zu erzwingen, und das Entwicklungsteam bekam etwas, das konkret genug war, um daraus zu bauen. Die Prototypen gingen sogar weiter als das Produkt selbst: Sie wurden zur Dashboard-Vorschau auf der Waretracks-Startseite und haben Kunden gezeigt, wohin das Produkt geht, bevor es dort angekommen war.
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Die Marke in der Anwendung
Zusammenfassung
Ein Markensystem wird erst real, wenn es den Kontakt mit einer NDA, einem Sales Deck, einem LinkedIn-Karussell und einem Drucker übersteht. Dieser letzte Abschnitt behandelt die angewandte Arbeit: die Touchpoints, an denen die Identität aus Case Study 1 aufgehört hat, ein Regelwerk zu sein, und angefangen hat, eine Aufgabe zu erfüllen.
Das meiste davon war Routine. Ein Stück davon hat die Richtung der Marke verändert.
Geschäftsausstattung und Dokumente
Das Erste, was eine neue Marke bewältigen muss, ist Papierkram. Ich habe ein Dokumentensystem gebaut: Briefbogen, NDA-Vorlage, kurze kundenseitige Dokumente wie den ersten WMS-Fragebogen, Kuvert und Präsentationsmappe.
Die gestalterische Aufgabe heißt hier Zurückhaltung. Ein Rechtsdokument muss lesbar, druckbar und unauffällig sein, deshalb zeigt sich die Marke in kleinen strukturellen Entscheidungen statt in Bildern: rote Abschnittsnummerierung, das Pixel-Element als Abschluss der Linien, Seitenzahlen in kleinen roten Blöcken und ein Fußbereich, der die rechtlichen Angaben trägt, ohne die Seite zu überladen. Mappe und Kuvert tragen die größere Markenlast und nutzen die isometrische Bildwelt und die Dark-Mode-Palette.

Das Pitch Deck
Das Pitch Deck war der Touchpoint, der schon in der Probeaufgabe auditiert wurde. Es zu gestalten hat einen Kreis geschlossen, der sich in meiner ersten Woche geöffnet hatte.
Das Deck wechselt zwischen dunklen und hellen Abschnitten, um einem langen Vertriebsgespräch Rhythmus zu geben, nutzt Doto für Headlines und Abschnittsmarken und erklärt Module und Funktionen über das Icon-System und den isometrischen Würfel statt über Bulletpoints. Die Produktstruktur wird als Aufteilung in Basismodule und Flex-Module gezeigt, und die Preisstufen sind benannt statt nummeriert.
Hier ist die Herkunft der Marke am sichtbarsten geblieben. Case Study 1 beschreibt, wie die wörtliche Retro-Gaming-Ästhetik fiel und ihre DNA blieb. Die Texte des Decks standen, bevor ich es gestaltet habe, und sprachen weiterhin diese Sprache: Die Stufen sind Power-ups, die Onboarding-Phasen sind Level, die Schlussfolie lädt den Kunden zum Spielen ein. Meine Aufgabe war ein visuelles System, das diesen Ton tragen kann, ohne in die alte Ästhetik zurückzufallen. Das Pixel-Element, Doto und der isometrische Würfel haben das geleistet. Die Stimme blieb verspielt, das Design nicht.
Lead magnets
Zwei Whitepaper, beide als Selbsttest-Checklisten gebaut statt als Broschüren. Das erste, „Der 10-Minuten-Check für dein Lager-Fundament", bewertet operative Stabilität und Transparenz über sechzehn Fragen und verortet das Ergebnis in einer Matrix mit zwei Achsen. Das zweite, „Der 10-Minuten-Potenzial-Check", bewertet sechzehn Bereiche auf einer Skala von eins bis fünf und übersetzt den Punktwert in eine Euro-Spanne jährlichen Einsparpotenzials.
Die gestalterische Aufgabe war, eine Selbsteinschätzung zu bauen, die Menschen tatsächlich zu Ende ausfüllen. Das hieß: Checkbox-Spalten breit genug zum Ankreuzen auf Papier, ein Auswertungsablauf in nummerierten Schritten, eine Ergebnismatrix, die auf einen Blick lesbar ist, und ein durchgerechnetes Beispiel, damit die Endzahl nie abstrakt bleibt.






Social Media
Der LinkedIn-Auftritt musste sich mit der Marke ändern. Das bisherige Header-Bild war um das alte Logo herum gebaut und trug einen Co-Creation-Credit für 369 Studio, ein Marketingstudio, das von einigen heutigen Waretracks-Mitgliedern gegründet wurde. Der Ersatz lässt all das weg und setzt auf die eigene Stimme der Marke: „Entwickelt im Lager, nicht im Labor" in Doto auf dem Pixelraster, mit den isometrischen Blöcken, die sich am rechten Rand zusammensetzen. Ich habe es in einer dunklen und einer hellen Fassung gebaut, damit es neben beiden Modi funktioniert.
Für LinkedIn-Ankündigungen habe ich ein Karussellformat mit dem kantigen Masking-System der Marke entwickelt: Fotografie, beschnitten in Sechsecke und Dreiecke über dem Pixelraster, kombiniert aus echten Lager- und Teamfotos, dem isometrischen Element und der 24-Stunden-Grafik. Echte Fotos der tatsächlichen Lager haben den Posts ein physisches Gewicht gegeben, das die isometrische Bildwelt allein nicht liefern kann.





Icons
Die Icon-Familie ist zu einem Produktionsasset gewachsen, nicht zu einer Seite im Styleguide. Ich habe sie als SVG in beiden Größen ausgeliefert, 24 px für die Oberfläche und 64 px für Display-Anwendungen, jeweils in heller und dunkler Ausführung, damit derselbe Satz Druckdokumente, Deck, Website und Produkt bedienen kann.
UI icons
25 iconsSingle color plus pixel. Used in buttons, navigation, forms and toolbars.
Display icons
30 iconsTwo color system, black or white with red. Used in dashboards, feature highlights and marketing.
Produktvideo
Ich habe außerdem ein Produktvideo produziert. Das Tech-Team hat Screencaptures der Software geliefert, ich habe Intro und Outro darum herum gebaut und das Voice-over mit ElevenLabs erzeugt, damit die Demo die Marke ab dem ersten Frame trägt, statt kalt mit einer UI-Aufnahme zu starten. Intern ging es an neue Kunden. Gedacht war es als Auftakt einer Reihe, doch die Reihe endete nach dem ersten Video, als die Entwicklungskapazität an anderer Stelle gebraucht wurde.
Die Visitenkarte, die die Marke verändert hat
Die erste Visitenkarte war korrekt. Logo, dunkler Grund, isometrische Blöcke, ein QR-Code auf der Rückseite. Auf Marke und unauffällig.
Dann bin ich zu etwas zurückgegangen, das ich bei jedem Lagerbesuch gesehen hatte. Jeder Karton trägt ein Etikett, und jedes Etikett trägt einen Barcode. Keine Dekoration, sondern der eigentliche Mechanismus, über den ein Lager weiß, was es hält. Also habe ich die Karte als Lageretikett neu gestaltet: ein echter, scanbarer Barcode statt eines QR-Codes, gesetzt in der Sekundärpalette statt in der Kernpalette.
Es funktioniert, weil die Metapher nicht geliehen ist. Ein Unternehmen, das Lagersoftware baut, gibt einem dasselbe in die Hand, was ein Lager seinem eigenen System gibt. Das Produkt erklärt sich in einem einzigen Objekt selbst. Simon Willmes hat die Karte freigegeben und seine so drucken lassen.
Danach war die Karte keine Karte mehr. Sie deutete auf eine Version der Marke hin, die wärmer, physischer und näher am Alltag der Menschen ist, die mit der Software arbeiten, als das minimalistische System, das wir gebaut hatten. Diese Richtung war als Ausweitung über die gesamte Marke geplant, beginnend mit der Website.


Wohin es zeigte
Ich habe ein vollständiges Startseitenkonzept in dieser Richtung gebaut, um zu prüfen, ob sie in der Fläche trägt: Barcode-Trennlinien, Headlines als Etikettenblöcke, die Sekundärpalette als strukturgebende Farbe statt als Akzent, dazu die Checklisten- und Card-Muster aus den Whitepapern in Web-Abschnitte übertragen.
Es war außerdem das erste Mal, dass ich mit Claude Design gearbeitet habe, kurz nach dem Release. Dadurch lag das Konzept als funktionierendes responsives HTML vor statt als flaches Mockup. Es blieb ein Konzept.
Fazit
Von August 2025 bis August 2026 war ich der einzige Designer bei Waretracks. Das hieß: Marke, Website, Produktoberfläche und jedes Marketingmaterial liefen über eine Person, meistens gleichzeitig.
So zu arbeiten legt ein Muster offen, das in einem größeren Team nicht auffällt. Jedes dieser Projekte lief besser, wenn es mit Struktur statt mit Optik begann. Das Rebranding startete mit einer Positionierungszeile, nicht mit einem Moodboard. Die Website startete mit einer Architektur und einer achtmonatigen Roadmap, nicht mit einem Redesign. Das Dashboard startete mit 29 Tabellen und 30 priorisierten Datenverknüpfungen, nicht mit einem Layout. In jedem Fall war die visuelle Arbeit schneller und weniger diskutierbar, sobald die darunterliegende Entscheidung getroffen war.
Dasselbe Muster erklärt die eine Sache, die mich überrascht hat. Die Arbeit, die die Marke am stärksten verändert hat, war nicht das Rebranding. Es war eine Visitenkarte. Der Blick darauf, wie ein echtes Lager einen echten Karton etikettiert, hat etwas hervorgebracht, auf das das Markensystem allein nie gekommen wäre, und eine Richtung eröffnet, die noch offen war, als meine Rolle endete.
Nicht alles ist fertig geworden. Das Dashboard war in Entwicklung, die Etiketten-Richtung blieb ein Konzept, das Video blieb der einzige Teil einer Reihe. Das ist die ehrliche Form von Designarbeit in einem Produktunternehmen, das selbst noch gebaut wird. Fertig geworden ist der Teil, der jedes einzelne Deliverable überdauert: ein dokumentiertes Markensystem, eine live geschaltete zweisprachige Website, eine Roadmap, der das Team weiter folgen kann, und ein Dashboard-Konzept, das konkret genug ist, um daraus zu bauen.
Waretracks verspricht seinen Kunden Klarheit an einem Ort, an dem es selten welche gibt. Die Arbeit auf dieser Seite war der Versuch, dem Unternehmen selbst anzusehen, dass es das ernst meint.















































