Branche
Kultur (LGBTIQ+)
Kunde
Hochschule Anhalt
Rolle
Queering the Bauhausstadt
Recherche und Experimente mit Mustern, um die queere, LGBTIQ+ und weibliche Seite des Bauhauses aus heutiger Perspektive darzustellen.
Der erste CSD in Dessau-Roßlau seit 24 Jahren fand am 21. Mai 2022 statt. Um eine visuelle Identität für die Teilnahme der Hochschule Anhalt zu schaffen, ließ ich mich von der Geschichte der Institution, dem Erbe des Bauhauses und den oft übersehenen Geschichten queerer und FLINTA*-Kreativer darin inspirieren.
Studienprojekt, entstanden unter der Leitung von Dozent Mauricio Sosa Noreña im Expertise-Kurs Patterns Galore! an der Hochschule Anhalt.
Herausforderung
Die zentrale Herausforderung war es, aus dem Erbe des Bauhauses und der Geschichte der Hochschule Anhalt eine umfassende Identität zu entwickeln, die die Unterstützung der Hochschule für den ersten CSD in Dessau-Roßlau seit 24 Jahren repräsentiert, ein politisch bedeutsames Ereignis für LGBTIQ+ Menschen in der Region, auch für Studierende. Da das Projekt Teil des Expertise-Kurses Patterns Galore! war, musste ein Muster als zentrales Markenelement dienen.
Ziel
Das Ziel war es, ein Muster zu entwickeln, das eine international erkennbare LGBTIQ+ Identität widerspiegelt und zugleich lokale Elemente aufnimmt, um die Hochschule, ihre Studierendengemeinschaft und die örtliche Bevölkerung anzusprechen. Es musste leicht reproduzierbar sein und als klares visuelles Zeichen für das Engagement und die Unterstützung der Hochschule beim ersten CSD in Dessau-Roßlau seit 24 Jahren dienen.

Recherche
Zuerst recherchierte ich alle Symbole, die LGBTIQ+ Gruppen genutzt haben, um Einheit, Stolz und Selbstidentifikation auszudrücken. Darunter finden sich die Dreiecke, mit denen schwule Männer und queere Menschen in Konzentrationslagern gekennzeichnet wurden, sowie weniger bekannte Symbole wie das Lambda, die Labrys und das lila Nashorn.


© Elizabeth Otto
Während meiner Recherche stieß ich auf ein sehr interessantes Buch von Elizabeth Otto mit dem Titel „Haunted Bauhaus: Occult Spirituality, Gender Fluidity, Queer Identities and Radical Politics“. Es handelt von diesem verborgenen und „ausgelöschten“ Aspekt des Bauhauses. Denkt man an sein Erbe, wird es vor allem durch heterosexuelle cisgeschlechtliche Männer repräsentiert. Doch die Frauen und queeren Menschen sind ebenfalls ein wichtiger und äußerst wertvoller Teil davon.
Einige dieser queeren Menschen am Bauhaus waren Max Peiffer Watenphul, Margaret Leiteritz und Florence Henri. Ich nutzte ihre Arbeiten als Inspirationsquelle, ebenso wie das Schaffen der Frauen in der Textilwerkstatt, da beide Gruppen in gewissem Maße ausgeschlossen oder ausgelöscht wurden.

Erste Experimente





Queere Pflanzen
Gleichzeitig begann ich, Pflanzen zu recherchieren, die im Lauf der Geschichte zur Repräsentation der LGBTIQ+ Community genutzt wurden, um einen botanischen Illustrationsansatz auszuprobieren. Vier davon fand ich in dem interessanten Artikel „Four Flowering Plants That Have Been Decidedly Queered“ von Sarah Prager: Veilchen, Stiefmütterchen, grüne Nelken und Lavendel.




Mit Procreate illustrierte ich die vier Pflanzen und vektorisierte sie anschließend in Adobe Illustrator. Durch die Kombination floraler Illustrationen mit der sechsfarbigen Regenbogenflagge und ihrem Farbschema schuf ich ein Muster, das queere Identitäten aus einer anderen Perspektive darstellen kann.


Tangram
Das Tangram ist ein beliebtes, in China erfundenes Legespiel, das viel in der Bildung eingesetzt wird. Wie bei jedem Puzzle werden verschiedene Teile zusammengefügt, um etwas Größeres zu schaffen. Es lässt sich als Analogie für die LGBTIQ+ Community nutzen und dafür, wie sie sich aus ihren vielfältigen Elementen zusammensetzt, und deutet zugleich das Dreieck und seine Bedeutung für queere Identitäten neu.
Viele Textilarbeiten von Anni Albers nutzen Dreiecksmuster. Es sind überwiegend gleichschenklige Dreiecke, die sich vom gleichseitigen Dreieck unterscheiden, das in Konzentrationslagern verwendet wurde. Zugleich ist es dasselbe Dreieck, das als kleinste Grundeinheit eines Tangrams dient. Ich gestaltete ein Muster, das beide Ideen verbindet.
Schließlich entschied ich, dass die Regenbogenflagge und die Reihenfolge ihrer Farben eine Grundeinheit ist, die im finalen Ergebnis vorhanden sein sollte. Enthält ein Muster nur die Farben ohne eine bestimmte Reihenfolge, verliert es seine Bedeutung und seinen Bezug zur LGBTIQ+ Community.



Anwendung
Das finale Muster hat das Potenzial, als wichtiges Element des Engagements der Hochschule beim CSD Dessau-Roßlau zu dienen. Es lässt sich auf Flaggen, Banner, Pins, Kondomverpackungen und andere Goodies anwenden, die für die Veranstaltung produziert werden können.



